Ein Morgen im Franziskischlössl

Adventskalender 2017, 6. Dezember

Adventsstimmung zelebriert man meist gegen Abend. Ich hatte aber das Glück, in Salzburg morgens mit dem Personal durch den verschneiten Wald zum Franziskischlössl auf den Kapuzinerberg gefahren zu werden und zu erleben, wie der kleine Adventsmarkt aufwachte.
Gemeinsam betraten wir das Schlössl über die Brücke.
Die Aussicht am kalten Wintermorgen ist herrlich.

Das Haus spielgelt sich in einer grossen Weihnachtskugel und auch an die Vögel denken die Pächter Toni Gruber und Wolfgang Steinmetz.

Der zu allen Jahreszeiten romantische Schlossgarten ist mit Schlitten und Feuerstellen winterlich bestückt.

Die Budenbetreiber richten sich ein.

Eine Frau, die schon auf der Bergfahrt erzählt hat, wie ihr diese Arbeit Freude mache, bereitet alles für Ihre Gäste vor. Sie bietet an, was man für eine typische Jause braucht. Bald werden die beiden Hausherren hier mit Kräutern räuchern und den wohlduftenden Rauch die Treppe raufschleichen lassen. Die ankommenden Leute werden schnuppernd einatmen und vom Waldmeister in eine lustige Stimmung versetzt werden, den Rest besorgt dann der Glühwein.
Frieren muss man nicht, man setzt sich auf Schaffelle und im Haus lagern Wolldecken, in die man sich einwickeln kann.

Toni Gruber (rechts) und Wolfgang Steinmetz verwandeln seit sieben Jahren das Schlössel mit innovativen Ideen zu einem Ort des Geniessens, nachdem es vorher wenig genutzt wurde und in einen Dornröschenschlaf gefallen war.
Die beiden Quereinsteiger in die Gastronomie – Toni war Banker und Wolfgang Kunststofftechniker – haben mit Hilfe ihrer Familien das Schlössl zu neuem Leben erweckt.

Ein kleiner Engel schläft erschöpft mitten im Weihnachtskonfekt.

Auf der aktuellen Menu-Karte findet man beispielsweise Milzschnitten, Leberknödel, Kalbspressknödel, Blunze (Blutwurst), Räuchersaibling, Hirsch mit Rauch, verschiede Enten-Gerichte, Gröstl, Jausen und den beliebten Brunch.

Dazu gehört der Laden mit Produkten aus dem Haus oder aus der nahen Umgebung. „Eingekochtes, Eingelegtes, Reduziertes, Gebackenes, Durchgedrehtes“ gibt es hier zu kosten und zu kaufen.
Die Regale biegen sich unter den vielen Marmeladegläsern. Wenn wenig Betrieb ist, werden Plätzchen gebacken. Zudem stehen Hochprozentiges und Liköre zur Auswahl.Zirbenlikör ist eine Delikatesse, der Zirben-Brand schlicht ein Schock:-) Und dies am frühen Morgen!

Stolz erzählt Toni von den Bienen. Die Völker wurden auf 57,5 Grad erwärmt. Das überleben die Bienen, die Milben aber nicht. 5 x 70’000 Bienen liefern Honig, der gepresst, und nicht geschleudert wird. Das Wachs wird zu Kerzen verarbeitet.

Die Salzburger scheinen sich ihres alten “weissen Goldes”, des Salzes, wieder zu erinnern.

In dickbauchigen Gefässen dämmern Kräuter in Alkohol vor sich hin und Räuchermischungen verströmen aromatische Düfte.

Liköre bleiben kein Geheimnis, man kann die Zutaten sehen.

Wir bekommen einen Uhudler-Schaumwein…

…und werden nach Noten verwöhnt.

Die Gastgeber expandierten in die Hotellerie, man kann zwei wunderschöne Zimmer mieten.
Wir steigen einen Stock höher und können uns ein Zimmer anschauen.

Hier sind Verliebte bestens aufgehoben.
Sogar heiraten kann man im Franziskischlössl.Das Badezimmer ist ein Traum.Von der Augenmaske am Nachttisch bis zur “Kunst mit Mozartkugel” im Treppenhaus – man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Das Logo ist überall auf den Gebrauchstextilien aufgestickt.

In der Küche wurden Brot und Strudel gebacken.

Unterdessen sind die Buden eingerichtet und die ersten Besucher treffen ein.

Sepp’a Reh steht erwartungsvoll vor seinem Ecktürmchen, Feuerschalen wärmen die freie Natur und für eine Jause steht alles bereit.

Wir verlassen das gastliche Franziskischlössl, Toni Gruber Senior (80) fährt den Shuttle. Während wir hinunterfahren, dreht sich in meinem Kopf die Melodie des Andachtsjodlers des Salzburger Adventsingens, das wir am Vorabend besucht hatten. Ein einmaliges Erlebnis!

Diese Melodie begleitet mich beim Besuch der Weihnachtsmärkte in der Stadt, beim Salzburger Turmblasen

…und beim für mich schönsten Markt, dem Hellbrunner Adventzauber – mit dem riesigen Weihnachtsbaum und den Hunderten roten Kugeln.

 

Ich begab mich auch auf die Spuren von “Stille Nacht”. Dazu mehr in einem nächsten Advents-Blogbeitrag.

Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weissen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

 

Musik
Andachtsjodler

Dank
Ich danke Österreich Werbung und Salzburg Info für diese Reise und insbesondere Daniel Predota und Susanne Zauner für die freundliche und kompetente Begleitung.

Ich reiste zusammen mit der Bloggerin Ellen Gromann, in ihrem Familien-Reiseblog wird auch ein Beitrag über unsere Reise zu sehen sein.

Mein Adventskalender 2016

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Advents-Gartenhaus

  1. Mary

    Wundervoll – wie immer hatte ich das Gefühl dabei zu sein. Danke!

  2. Ritanna

    Herrlich, ich möchte gerade dort sein. Einfach traumhaft – ich rieche schon jetzt die Adventsstimmung, die Jause zieht durch die Nasen, das Wasser läuft im Mund zusammen und ich höre im Dom die Stimmen.
    Ich gedenke der Mutter von Josef Moor, der “Stille Nacht, heilige Nacht” getextet hat und als Erster mit den Schulkindern in bitter kalter Weihnachtsnacht in der “Mariapfarr-Kirche” gesungen hat.
    Seine Mutter war Paramentsstickerin und hatte nicht genug zum Leben. Der Bub war ein heller Kopf und so durfte er dort in die Schule Gymnasium und Priester werden.

  3. Silvia Marthaler

    Danke liebe Regula, sö schöne Musik beim Morgenkaffi und erst noch ein Gedicht von Rilke. Umrahmt von tollen Fotos

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